Mit Kinder beten lernen

Reime oder frei formulierte Gebete vor dem Essen oder vorm Schlafen

05.09.2009 Sandra-Maria Erdmann

Das kindliche Gebet kann durch die Hilfe der Eltern zu einer festen Gewohnheit werden. Kinder lernen dadurch mit Gott zu sprechen.

Feste Traditionen und Gewohnheiten sind besonders für kleinere Kinder von großer Bedeutung. Sich täglich wiederholende Abläufe, welche den Tag in unterschiedliche Bereiche gliedern, erleichtern den Kindern und ihren Eltern den Alltag und sind gleichzeitig wichtig für ihre Entwicklung.

Eine gute Gewohnheit, welche für die Kleinen prägend sein kann, ist das gemeinsame Gebet im Familienalltag. Kurze gereimte Texte für die Kleinen oder frei formulierte Gebete für die älteren Kinder können zu einem festen Bestandteil des Lebens werden, wenn sie regelmäßig Anwendung finden.

Das Gebet in der Familie leben

Kinder sind stark von ihren Eltern abhängig und imitieren deren Verhalten, sowie ihre Angewohnheiten. Die Vorbildfunktion der Eltern ist entscheidend für das Leben der Kinder, denn die Gewohnheiten der Eltern finden sich darin wieder. Deshalb ist es wichtig die Kinder von klein an durch Regeln und Verhaltensweisen zu prägen.

Das Familienessen als sozialer Mittelpunkt

Das gemeinsame Essen in einer Familie wird immer seltener, sei es durch gegebene Arbeitszeiten der Eltern oder durch schulische, beziehungsweise außerschulische Veranstaltungen der Kinder. Umso wichtiger sind jene seltenen Momente, die es in einer Familie gibt.

Das Essen ist dadurch nicht nur noch als Nahrungsaufnahme zu verstehen, sondern wird immer mehr zum sozialen Mittelpunkt. Alle zusammen am Tisch stärkt das Wir-Gefühl: Jeder darf von seinen Erlebnissen des Tages berichten, jeder darf reden und zuhören. In Gesellschaft isst es sich besser als allein.

Dankgebete für das tägliche Brot

  • Jedes Tierlein hat sein Essen, jedes Blümlein trinkt von dir, hast auch unser nicht vergessen, lieber Gott wir danken dir!

  • Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Herr, von dir! Wir danken dir dafür!
Das tägliche Tischgebet sollte unter keinen Umständen zu einem Zwang werden. Die Kinder sollen erkennen, dass Gott für die täglichen Gaben zu danken ist, weil er sie gibt und erhält.

Hilfsmittel für die kleinen Familienmitglieder

Es gibt verschiedene Arten, den Kindern das Tischgebet nahe zu bringen. Gebetswürfel, zum Beispiel, haben kurze vorformulierte Reime, die sich leicht einprägen lassen. Durch das Würfeln sind die Kinder aktiv am Vorgang beteiligt und haben zusätzlich Freude daran.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Gott für die Mahlzeit zu danken: Kurze Lieder vor dem Essen gesungen, sind vor allem für die Kleinen sehr schön, weil sie nicht lange still sitzen müssen.

Bei einem frei formuliertes Gebet kann unter Umständen auf Geschehnisse des Tages, zum Beispiel Geburtstag oder Krankheit, eingegangen werden. Um dabei jedoch keine Eintönigkeit entstehen zu lassen, sollte jedes Familienmitglied abwechselnd an der Reihe sein, denn jeder betet anders.

Gebete vor dem Zu-Bett-Gehen

Die Zeit am Abend ist für die Kinder besonders wichtig, denn jetzt ist die Zeit zum „Runterkommen“ angesagt. Alle Erlebnisse und Erfahrungen des Tages kommen ihnen jetzt noch einmal in den Sinn.

Diese Zeit am Abend sollte möglichst mit leisen Spielen, mit Bücher lesen oder mit Kuscheln verbracht werden.

Zum festen Bestandteil des Tagesabschlusses können kleine Gebete werden, bei denen die Kinder mit ihren Eltern die Geschehnisse des Tages noch einmal reflektieren können. Einfache Gute – Nacht – Gebete können von den Kleinen schon nach einigen Wiederholungen nachgesprochen werden.

  • Was ist an diesem Tag geschehen, das mich jetzt traurig macht? Lass alles Böse untergehen noch vor Beginn der Nacht.

  • Gott hört dich, wenn du zu ihm sprichst, er kennt die Menschen groß und klein. Und ob du froh, ob traurig bist, Gott lässt dich nicht allein.
Große Kinder beten anders

Mit etwa vier bis fünf Jahren beginnen die Kinder vorhandene Sachverhalte und Dinge zu hinterfragen. Sie wollen nicht mehr einfach nur nachsprechen, sondern können durch frei formulierte Gebete in ihren eigenen Worten zu Gott sprechen. Dinge, die sie bewegen werden so selbstverständlich vor Gott zur Sprache gebracht. Dabei merken sie, dass man mit Gott auch sprechen kann, ohne sich einer „besonderen“ Sprache zu bedienen.

Urheberrecht: Sandra-Maria Erdmann. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.